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Der falsche Bachelor

 

Als 1999 das Bologna-Papier von 29 Bildungsministern in gleichnamiger Stadt mit dem hehren Ziel unterschrieben wurde, die universitären Abschlüsse europaweit vergleichbar zu machen, so dass diese unbürokratisch anerkannt würden, was wiederum der Mobilität der Studierenden sowie einer europäischen Qualitätssicherung förderlich sein sollte, schüttelte manch einer, der Bologna, abseits der pittoresken Altstadt, zur rush-hour kannte den Kopf und hoffte, ja betete inständig, diese Namensgebung möge kein schlechtes Omen für den angestoßenen Prozeß sein.

Die eingeführte Studienordnung sah im allgemeinen zwei Abschlüsse vor, den Bachelor und den Master, wobei angedacht war, den Bachelor als einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluß zu definieren. Die Reform sollte Europa durch eine bemerkenswerte Politikkonvergenz näher aneinanderrücken lassen, endete aber in einer unionzentrierten Sichtweise bezüglich des universitären Bildungssystems; international vergleichbar heißt eben doch nur europäisch vergleichbar. Was in diesem Zusammenhang offenbar vernachlässigt wurde, ist die Tatsache, dass es schon vor Bologna in anderen Teilen der Welt einen Bachelor-Abschluß gab, der nicht mit dem Bologna-Bachelor identisch ist.

In vielen Ländern gibt es sehr unterschiedliche Bachelor-Varianten. Beispielsweise werden in den Vereinigten Staaten im Vereinigten Königreich oder in Kanada ein 3-year Bachelor (auch Basic oder Minors genannt), ein 4-year Bachelor (auch Majors genannt) sowie ein hono(u)rs Bachelor (auch Bachelor (Honours) genannt, kurz H.B.A. oder BA (Hon)) angeboten. Letzterer darf nicht mit dem seltenen nordamerikanischen Bachelor with Honours (kurz B.A. hons.) verwechselt werden, der genau in dieser Schreibweise und nur an Universitäten als eigenständiger akademischer Grad verliehen wird; dieser "high research activity" Bachelor schließt in einem postgradualen Jahr mit einer Thesis auf "master’s level" ab, weshalb er direkt zum PhD-Studium berechtigt; abweichend zu den anderen Bachelor-Varianten ist er äquivalent zum traditionellen Diplom/Magister (Univ.) bzw. konsekutiven Bologna-Master.[1]

Da der Bologna-Bachelor an der Universität zu Köln den Stellenwert eines Vordiploms hat, wird, wenn die/der Absolvent/in als WiMi eingestellt wird, auch nur Entgeltklasse 12[2] gezahlt und nicht die für Wissenschaftler_innen vorgesehene E 13: Wissenschaftler-in sein, beginnt hier erst mit dem Master. Nun kommen an eine exzellente Universität durchaus auch Wissenschaftler-innen aus dem nichteuropäischen Ausland, die von diesen historischen Gegebenheiten ausgehend von der Lissabon-Konvention über die Sorbonne-Erklärung bis eben zum Bologna-Papier keine Ahnung haben und auch nicht wissen, dass das Schlüsselwort „Bachelor“ in der Personalabteilung nur mit E12 assoziiert wird. Das kann darin enden, dass sie ein geringeres Entgelt bekommen als die von ihnen zu betreuenden Promovenden und das auch gar nicht wissen. Auch ein Doktortitel ersetzt nämlich keinen Master. Sollten Sie meinen, dass auch Sie zu dieser Gruppe gehören, formulieren Sie noch heute einen schriftlichen Widerspruch gegen Ihre Eingruppierung und richten Sie diesen an Ihre/n Sachbearbeiter_in, denn es besteht nur eine Nachzahlungspflicht von 6 Monaten! Verweisen Sie auf das Informationsportal zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse http://anabin.kmk.org/! Nutzen Sie die Informationen der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen http://www.kmk.org/zab/zeugnisbewertungen.html ! Melden Sie sich bei uns: personalrat-wissSpamProtectionuni-koeln.de !

 

 

Kurzfassung

In vielen Ländern gibt es sehr unterschiedliche Bachelor-Varianten. Beispielsweise werden in den Vereinigten Staaten im Vereinigten Königreich oder in Kanada ein 3-year Bachelor (auch Basic oder Minors genannt), ein 4-year Bachelor (auch Majors genannt) sowie ein hono(u)rs Bachelor (auch Bachelor (Honours) genannt, kurz H.B.A. oder BA (Hon)) angeboten. Da der Bologna-Bachelor an der Universität zu Köln den Stellenwert eines Vordiploms hat, wird, wenn die/der Absolvent/in als WiMi eingestellt wird, auch nur Entgeltklasse 12 gezahlt und nicht die für Wissenschaftler_innen vorgesehene E 13: Wissenschaftler_in sein, beginnt hier erst mit dem Master. Das kann darin enden, dass sie ein geringeres Entgelt bekommen als die von ihnen zu betreuenden Promovenden. Auch ein Doktortitel ersetzt nämlich keinen Master.

 

Bachelor degrees exist in many different flavours: in the U.S., UK and Canada, a Bachelor can be a 3-year, 4-year or a hono(ur)s Bachelor (also called "Bachelor (Honours)", "H.B.A." or "BA(Hon)"). The „Bologna Bachelor“ is considered as equivalent to an intermediate diploma only. Accordingly, at the University of Cologne your salary as Bachelor's degree graduate as a scientific employee will be at best (!) according to TV-L E12 and not according to TV-L E13, the standard salary group for scientists: Being a scientist in Germany means holding a Master’s degree. A PhD or doctor's degree does not "cure" a missing Master's degree! This definition e.g. results in the fact that your salary as a (PhD, but Bachelor-)supervisor of (Masters-)PhD students might be less than theirs. A PhD title is no substitute for a Master’s degree.

 


[1] Vgl. www.wikipedia.de, Stichwort: Bologna-Prozeß

[2] Der Hinweis auf Ihre Entgeltklasse befindet sich auf der Gehaltsmitteilung des LBV rechte Seite, unter der Spalte „Bezüge für den laufenden Monat“, nächste Zeile Entgelt, 3. Zeile: „Engeltgruppe, Stufe“; das ist die erste Zeile mit Eurogröße.