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Lehrbeauftragte - Hobby oder prekäre Beschäftigung?

„Lehraufträge können für einen durch hauptberufliche Kräfte nicht gedeckten Lehrbedarf erteilt werden. Die Lehrbeauftragten nehmen ihre Lehraufgaben selbständig wahr. Der Lehrauftrag ist ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis eigener Art; er begründet kein Dienstverhältnis.“ Soweit das Hochschulgesetz im § 43. Die Formulierung „nicht gedeckter Lehrbedarf“ ließe vermuten, hier ginge es um die Vermittlung von Kenntnissen, die man nur außerhalb der Universität erwerben kann. In der Tat gibt es Lehrbeauftragte, die den immer wieder geforderten Praxisbezug in die Hochschule tragen. Oft fehlen aber nur einfach Lehrkräfte, zum Beispiel weil Professorenstellen jahrelang nicht besetzt werden.

Solange dies dazu führt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihre Lehrveranstaltungen im Rahmen eines meist unvergüteten Lehrauftrags selbstständig statt abhängig halten, ist dagegen nichts einzuwenden. Schließlich wird der Lehrauftrag auf die Lehrverpflichtung angerechnet und sie können nachweisen, dass sie professorale Lehre ausgeübt haben. Einzelne Veranstaltungen von Personen aus der Praxis bereichern das Lehrangebot. Vergütete Lehraufträge mit mehr als 8 SWS sind dagegen bedenklich: Hier würde Lehre gegen kleinen Stundenlohn zu billig eingekauft (bei 12 SWS á 40 € kommt man auf das Jahreseinkommen eines Azubis im 2. Lehrjahr). Diese Lehraufträge sind kein Hobby.

 

Ihr pr.wiss

Wissenschaftliche Hilfskräfte: Mädchen für alles mit Hochschulabschluss?


Wissenschaftliche Hilfskräfte unterstützen in Forschung und Lehre. Eine WHK ist eine wissenschaftliche Hilfskraft mit einem Magister-, Diplom- oder Master-Abschluss oder ein Staatsexamen. Eine WHB ist eine wissenschaftliche Hilfskraft mit einem Abschluss in einem Hochschulstudiengang mit einer Regelstudienzeit von mindestens sechs Semestern, beispielsweise ein Fachhochschulabschluss (Diplom-FH), ein Bachelorabschluss oder ein Diplom-I-Abschluss.

Allein die Nutzung der Kenntnisse und Fähigkeiten eines Hochschulstudiums für eine Tätigkeit machen diese nicht zu einer wissenschaftlichen Dienstleistung. Die Tätigkeit muss einen Bezug zu dem Prozess haben, Erkenntnisse mit den Methoden der Wissenschaft zu gewinnen oder sie zur Vermittlung in eine bestimmte inhaltliche Form zu bringen. Dazu gehört nach höchstrichterlicher Entscheidung zum Beispiel nicht die Gestaltung einer Institutswebseite. Allerdings bleibt es den Hilfskräften überlassen, Tätigkeiten abzulehnen, die nicht in der Tätigkeitsbeschreibung aufgeführt sind. Das wird vielen schwer fallen, die während ihrer Masterarbeit oder Promotion vom Wohlwollen ihrer Fachvorgesetzten abhängig scheinen.

Die Bezahlung einer WHK beträgt derzeit 14,39 €/Std. pauschal, eine WHB verdient 11,00 €/Std. („Weihnachtsgeld“ ist in den Stundensatz eingerechnet). Die bezahlte Arbeitszeit ist auf maximal 19 Std./Woche begrenzt, der Urlaub entspricht der gesetzlichen Mindestzeit. Ob WiMi oder WHK entscheidet sich meist nicht nach den Aufgaben sondern dem Budget des Instituts. („Nach Berufungzusage habe ich 3 SHK, 2 WHK und 1/2 Mitarbeiter.“)

Auf der anderen Seite: In vielen Fällen kann man die Arbeitszeiten mit den Fachvorgesetzten vernünftig absprechen, der Weg vom Studien- zum Arbeitsplatz ist kurz und die Universität rechnet diese Zeit bei Einstellung als WiMi als förderlich für die Einstufung an.

 

Ihr pr.wiss